Monday, 14 January 2008

Teddington und anderes

Hier noch eine kleine Vorstellung meiner neuen Umgebung. Teddington liegt suedwestlich von London , ca. 6 km von Richmond entfernt flussaufwaerts an der Themse. An der Schleuse in Teddington ist der Tidenhub zu Ende, hier gibt es ein Wehr und eine Schleuse, die Ebbe und Flut auffangen. Und einen sehr netten Pub.
Meine Wohnung ist ca. 1 min vom Bushy Park entfernt, einem riesigen Park mit jeder Menge freilaufendem Wild (und auch Hunden verblueffenderweise!). So aehnlich wie Richmond Park, aber weniger ueberlaufen und mit weniger Flugzeuglaerm.
Am anderen Ende des Parks liegt Hampton Court, der Palast Heinrich VIII aus dem 16. Jh., der hier mit mehreren seiner vielen Frauen (nacheinander) gelebt hat und auch einige hat koepfen lassen. Besonders im Sommer ist es hier wunderschoen mit den tollen Gaerten.

Alles in allem hat die Natur hier den Vorrang. Auch der Zugang zu den Ausfallstrassen nach Sueden Richtung Kueste ist wesentlich kuerzer als von Chiswick. Ich denke, wenn erst der Fruehling kommt, wird es hier richtig nett :-)

Sunday, 13 January 2008

2 Bedroom House in Teddington!

Letzten Winter hab ich den Vorsatz gefasst, nicht noch einen Winter in meiner winzigen Wohnung in Chiswick zu verbringen. Im Sommer bei einem Ausflug nach Surrey kam mir der Gedanke, aufs Land zu ziehen. Und ich meinte richtig "aufs Land", am besten ein Cottage mitten in den Feldern. Nun ja, diese Vorstellung musste sich ein bisschen mit den Realitaeten des Commutings arrangieren. Letztendlich fiel die Wahl auf Teddington, nicht mehr London, schon eher ziemlich doerflich, aber auch nicht mitten in den Feldern. Immerhin noch in Radelweite zur Arbeit in Richmond, was ein grosser Bonus ist.
Und auch wenn nur gemietet, so ist dies doch mein erstes richtiges HAUS. Das ist ein ganz anderes Gefuehl als eine Mietwohnung. Und der Platz kommt mir nach meiner winzigen Wohnung in Chiswick unendlich vor, auch wenn das ganze Haus nur so ca. 60-70qm hat.
Hier also nun eine kleine Vorstellung meines neuen Heims, ein typisch viktorianisches Reihenhaus mit Erker, ein "Cottage":
Das wichtigste Kriterium war, dass das Haus einen (kleinen) Garten hat, und sogar einen mit schoenen Pflanzen und Wiese:Das Untergeschoss ist ein durchgehender Raum mit Wohnzimmer, Esszimmer und offener Kueche.
Das beste an dem ganzen Haus ist wahrscheinlich die Kueche!Die obere Etage hat zwei(!) Schlafzimmer und das Bad. Alles ein bisschen zu klein, um es vernuenftig zu fotografieren. Schlafzimmer Nr. 1:

Schlafzimmer Nr. 2, mein Buecher- und Computerzimmer:Das Bad ist winzig, aber geschmackvoll (was in England wahrlich nicht selbstverstaendlich ist) und nagelneu:Also, wie ihr seht, hab ich jetzt ein echtes Gaestezimmer ... ;-)
Uebrigens: Bahnverbindung nach Waterloo mitten ins Stadtzentrum ca. 35 min, nicht laenger als von Chiswick mit seiner Bummel-U-Bahn.
Ein ganz grosser Dank geht an Carsten, der mir kurz nach meinem Einzug ueber Neujahr sehr tatkraeftig bei der Einrichtung geholfen und die typischen guten Ratschlaege gegeben hat ("das kann man doch sehr schoen mit einer Schnur befestigen ...").
Und hier noch was huebsches: in den Gaerten hier lebt offenbar eine ganze Kolonie dieser grossen frechen englischen Eichhoernchen. Die haben direkt nach meinem Einzug eine Umzugskiste mit Blumentoepfen im Garten entdeckt und bauen sich anscheinend mit der Pappe irgendwo ein Nest. Ich bring es nicht uebers Herz, den Karton zu entsorgen. Ich bin gespannt, ob sie ihn wohl komplett abtransportieren werden.
Vorher:

Nachher (bis jetzt ...):

Sunday, 16 September 2007

Besuch von Anja

Der erste Eintrag seit langer Zeit. In der Zwischenzeit ist aber doch einiges passiert. Zunaechst mal war meine Nichte Anja eine Woche bei mir zu Besuch. Da kommt man so als kinderlose Person ja schon ein bisschen ins Schwitzen. Wie unterhaelt man ein achtjaehriges Kind ueber eine ganze Woche.

Nach ein bisschen Anlaufschwierigkeiten, nicht zuletzt wegen des schlechten Wetters haben wir aber eine Menge nette Sachen unternommen.

Das Labyrinth in Hampton Court ist gar nicht so ohne. Rein gings ziemlich einfach. Da gibts dann einen Platz im Zentrum, an dem sich alle Leute stolz fotografieren.

Aber den Weg wieder raus zu finden, war gar nicht einfach. Wir sind bestimmt 20 min rumgetrabt und immer wieder in der Mitte angekommen.

Zwischendurch fragte uns eine leicht verzweifelte Grossmutter mit einem sehr kleinem Enkel, ob wir denn wuessten, wie es hier wieder rausgeht. Unsere Wege trennten sich dann wieder. Ich hoffe, sie hat es noch vor Sonnenuntergang geschafft.
Wir waren auch zusammen mit ca. 100.000 anderen Kindern im Legoland Windsor. Das war in erster Linie eine Uebung in Geduld beim stundenlangen Anstehen, die Anja besser durchgestanden hat als ich.

Zu guter Letzt sind wir dann noch mit einer Bahn gefahren, die im wesentlichen aus einer riesigen Wasserrutsche bestand, aus der alle pitschnass ausstiegen, wir natuerlich nicht ausgenommen. Ich hatte allerdings Glueck, da ich durch Anja, die vor mir sass, gut geschuetzt war ;-) Der anschliessende "Familientrockner", eine Kabine mit Rundumfoen und Rotlicht war eine echte Wohltat.

Der Hoehepunkt der Woche fuer mich und wahrscheinlich fuer Anja auch war eine Auffuehrung des Koenig der Loewen im Lyceum im West End. Ich habe den Disney Film nicht gesehen und dachte, das ist eben in erster Linie was fuer Kinder. Aber das war so eine fantastische Inszenierung, vielleicht das schoenste Musical, das ich je gesehen habe. Wer die Gelegenheit hat, das mal irgendwo zu sehen, sollte es unbedingt tun.

Sunday, 5 August 2007

Doch noch Sommer

Nach diesem monatelangen Mistwetter war ich ja nicht mehr so zuversichtlich, aber tatsaechlich haben wir diese Woche und vor allem auch am Wochenende richtiges warmes Sommerwetter. Weiter so! Wie schon erwartet, hat die grosse Flut in London keine Auswirkungen gehabt. Nicht mal die Flutwiesen in Richmond waren ueberschwemmt. Damit aber meine Leser auch ein bisschen was von der Themse haben, hab ich gestern mal die Springflut in Richmond fotografiert. Das war alles im Rahmen einer normalen Flut, aber so hoch hab ich selbst das Wasser noch nie gesehen. War schon ziemlich lustig, wie die vielen Leute im White Cross, unserem Stammpub nach der Arbeit, mit Bier in der Hand bis zu den Knien im Wasser standen! Wer schon mal mit mir in Richmond war, kennt den "Eingang bei Hochwasser" im White Cross. Der war diesmal wirklich von noeten, ausser fuer die Leute, die ein erfrischendes Fussbad mit ihrem Pubbesuch verbunden haben.Mein Weg fuehrte mich per Fahrrad durch diese Wogen. Ich hab aber festgestellt, dass man in 70 cm tiefem Wasser nicht mehr allzu sicher faehrt. Aber immerhin ist mein Rad mal schoen sauber geworden! :-)Letztes Wochenende war ich mit meiner Kollegin Angie auf einer Farm in Surrey suedwestlich von London, auf der man diverse Beeren und Gemuese selbst ernten konnte. Ist schon komisch, wenn man Dinge direkt selbst erntet, wuerdigt man sie irgendwie mehr. Wir haben uns beide eine Woche lang fast ausschliesslich von Beeren ernaehrt.

Saturday, 28 July 2007

Sommer in England

Na die Ueberschrift sagt ja schon alles. Ich denke, die Ueberschwemmungen hier haben es auch bis in die Nachrichten in Deutschland geschafft. Hier gibts schon fast gar keine anderen Nachrichten mehr. Zur Zeit rollt die Themsewelle auf London zu, und ich warte mit gezueckter Kamera auf spektakulaere Bilder in Richmond. Aber ich glaube, das wird ein bisschen enttaeuschend werden. Da wo die Themse Tidenhub hat (noch ein ganzes Stueck flussaufwaerts von Richmond), sind die Ufer hoeher, da ja die Flut aufgefangen werden muss. Schon seit einigen Tagen ist aber in Richmond keine Flut mehr zu sehen, das Wasser schiesst nur immer mit unglaublicher Geschwindigkeit abwaerts. Die Thames Barrier, normalerweise ein Schutz gegen Sturmflut aus der Nordsee, wird dieser Tage immer bei Flut geschlossen, so dass kein Wasser aus der Nordsee mehr in die Themse stroemt. So scheint London nicht in Gefahr zu sein. Also vielleicht wird es in London doch nicht so aussehen.
Ich habe uebrigens dieser Tage einen Bericht im Fernsehen gesehen, der Orwell wieder mal in den Schatten gestellt hat. Grossbritannien ist ja eh schon Ueberwachungsstaat Nummer 1 mit lueckenloser Kamerabestueckung in weiten Teilen der Staedte. Die neueste Idee ist, Mikrochips in Kinder zu implantieren, damit die Eltern jederzeit an ihrem Computer oder Mobiltelefon ihren Standort tracken koennen. Zwar gibt es schon solche Tracking Devices als Guertel, Armbaender oder natuerlich Telefone, aber ein Entfuehrer kann die ja leicht entfernen. Da hilft nur ein Implantat. Eine Umfrage auf der Strasse in der Sendung ergab, dass etliche Eltern das sofort machen wuerden, wenn die Chips auf den Markt kommen. Was fuer eine Welt.
Aber das eroeffnet natuerlich auch ungeahnte Moeglichkeiten. Wie waers mit einer "Kindertuer", aehnlich wie diese Katzentueren, die sich nur oeffnen, wenn die Katze mit dem richtigen Halsband (inklusive Chip) des Wegs kommt. Nie wieder verlorene Schluessel! Eigentlich ja auch fuer Erwachsene eine interessante Idee. Schoene neue Welt ....

Saturday, 21 July 2007

Hallo

Einige Leute haben den Blog meiner Reise nach Indien gelesen und mir gesagt, dass sie ihn gerne gelesen haben. Mir hat das Bloggen in Indien viel Spass gemacht. Es war eine tolle Moeglichkeit, die vielen Eindruecke zu teilen, wenn auch indirekt.
Daher habe ich mir ueberlegt, auch einen Blog in London zu schreiben. Zum Teil ist das vielleicht ein gewisser Drang zur Selbstdarstellung, der heutzutage im Internet ja haeufig anzutreffen ist auf all den Social Networking Sites wie myspace, facebook und wie sie alle heissen. Da ich ja immerhin in einer Internet Firma arbeite, fuehle ich mich natuerlich auch ein bisschen verpflichtet, mit der Zeit zu gehen. Ein paar Wochen nach Anmeldung habe ich bereits 68 "Freunde" in facebook, zum allergroessten Teil meine 10-15 Jahre juengeren Kollegen.
Ich habe natuerlich nicht die Illusion, dass Berichte ueber mein Leben in London nur halb so interessant zu lesen sind wie meine Reise durch Indien. Aber da ich eine ziemlich unzuverlaessige Emailschreiberin bin, sehe ich das auch als eine Moeglichkeit, alle die es interessiert, einigermassen auf dem laufenden zu halten. Wen es interessiert, der mag es lesen. Steht ja jedem frei ;-)
Also ... nun ... was gibt es interessantes zu sagen? Im Moment bin ich eigentlich gerade gar nicht so sehr aktiv, weil ich sehr viel Arbeit habe. Aber das ist ja eigentlich auch nichts neues. Letztes Wochenende bin ich bei tollem Wind und dem ersten nicht verregneten Wochenende seit vielen Wochen mal wieder auf der Themse gesegelt. Der Wind war so kraeftig, dass wir nur so uebers Wasser geflogen sind und daher ca. alle 20 Sek wenden mussten. Das war so anstrengend, dass ich danach bis Donnerstag kaum laufen konnte vor Muskelkater. Aber von 5 gestarteten Booten ist nur ein einziges nicht gekentert. Wir! Sicher zu einem Teil meinem Gewicht zu verdanken (das muss ja auch fuer irgendwas gut sein).
Ein Teil dieses Blogs soll auch Beobachtungen ueber Skurrilitaeten und Eigenheiten der Englaender gewidmet sein. Diese Woche gab es einen bemerkenswerten Skandal in der BBC. In einem Trailer fuer einen Dokumentarfilm wurden Aufnahmen der Queen so zusammengeschnitten, dass es aussah, als sei sie bei einer Fotosession wuetend davongestuermt. Sowas passt natuerlich so gar nicht ins Image der Royals und war daher der Aufmacher aller Zeitungen. Dummerweise stimmte das aber alles gar nicht, sondern war bewusst falsch zusammengeschnitten worden. Und weil die BBC dann gerade beim Aufdecken war, kamen auch noch ein paar andere Skandaelchen ans Licht, vor allem ueber Faelschungen bei Telefonwettbewerben. Das bemerkenswerte war fuer mich an der Affaere, dass in den Hauptnachrichten der Nachrichtenchef im Interview den Direktor der BBC oeffentlich gefragt hat, ob er nicht seinen Hut nehmen will. Man stelle sich das mal in der ARD vor. Nachrichtensprecher fordert den Intendaten quasi zum Ruecktritt auf! Na bis jetzt ist er noch nicht zurueckgetreten, aber das kann noch kommen.